Politikkurse diskutieren über Afghanistan-Einsatz

Im Hörsaal des Gymnasiums Walsrode wurde es ein bisschen eng und zunächst ganz still: Am Mittwoch den 7. März versammelten sich die Schülerinnen und Schüler aus drei Politikkursen des 11. Jahrgangs zu einer Diskussionsveranstaltung mit Oberstleutnant Lutz Kuhn vom Panzergrenadierlehrbataillon 92 der Bundeswehr in Munster. Die Schülerinnen und Schüler saßen damit einem Experten gegenüber, der Innenansichten aus dem Afghanistan-Einsatz der ISAF-Truppen aus erster Hand darstellen konnte, denn Oberstlt. Kuhn war als Kommandeur der ISAF-„Task Force Kundus“ bis Mitte Januar selbst in Afghanistan, um die Sicherheitslage vor allem im Distrikt Chardara, der sich westlich der Stadt und des Flusses Kundus von Nord nach Süd erstreckt, mit „seinen“ ca. 700 Soldaten zu stabilisieren.

Ganz still wurde es unter den über 70 Schülerinnen und Schülern, als Oberstlt. Kuhn in einem Impulsvortrag seine Eindrücke aus dem Einsatz in Wort und Bild darstellte, um vor allem seine Doppelstrategie für das destabilisierte Bürgerkriegsland zu verdeutlichen: Vertrauensbildung gegenüber der Zivilbevölkerung, die flankiert wird durch abschreckende Präsentation militärischer Stärke gegenüber den militanten Taliban.

In der anschließenden, mehr als einstündigen Diskussion konfrontierten die Schülerinnen und Schüler der Politikkurse von Herrn Holzky, Herrn Launspach und Herrn Wrede den Offizier mit zahlreichen Fragen zum Bundeswehr-Einsatz, die von den sachlichen Fragestellungen nach den Kosten des Einsatzes und der Wiederaufbaumaßnahmen oder der Rolle der Frau in der Bundeswehr bis hin zu sehr privaten Fragen nach Angst und Traumatisierungen im Einsatz führten.

Die kenntnisreichen Antworten kamen prompt und mit einer erstaunlichen Offenheit. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass Angst für den Offizier in Afghanistan ein ständiger Begleiter gewesen ist, sie sich im Laufe der Zeit aber in Respekt vor den Gefahren der asymmetrischen Kriegsführung gewandelt hat, die im Norden des Landes vor allem in Form von Selbstmordattentätern und unter Straßen vergrabenen Sprengfallen ständig präsent sind. Auch die Informationen zu Frauen in Bundeswehruniform überraschten: Oberstlt. Kuhn stellte dar, dass sie als Teil der Kampftruppe die gleichen Aufgaben wie Männer übernehmen müssten, als Teil der vertrauensbildenden Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung aber zusätzlich die wichtige Aufgabe hätten, Kontakt zur weiblichen Hälfte der afghanischen Bevölkerung herzustellen.

Auf die Frage, ob die Vertrauensbildung, die Kuhn in langwierigen Versammlungen mit afghanischen Mullahs und mit oft kostspieligen Hilfsmaßnahmen für die unterentwickelten Dörfer und Städte im Taliban-Gebiet angestoßen hat, nach seinem Fortgang aus Kundus denn fortgesetzt werden könne, räumte der Offizier ein, dass der stetige Truppenwechsel zwar ein Handycap für das „confidence building“ darstelle, er zeigte sich aber auch ein wenig erleichtert, dass für ihn selbst Afghanistan zumindest in den nächsten zwei Jahren kein Einsatzgebiet mehr sein wird – eine Erleichterung, die wohl für jeden der aufmerksamen Zuhörer nachvollziehbar geworden ist.

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