Jens Carstens referierte über Mobbing

 Jemanden verspotten, beschimpfen, anschreien, ignorieren, ausschließen, anstarren, in peinliche Situationen bringen, auslachen, lächerlich machen, schikanieren, stalken oder ihm obszöne Gesten schicken – die Techniken der Mobber sind vielfältig und Mobbing in der Schule hat viele Gesichter. Der Referent Jens Carstens, Regionalbeauftragter für Prävention und Gesundheitsförderung aus Lüneburg, hatte die Zuhörer zu Beginn seiner Ausführungen vorgewarnt: „Es wird streckenweise schwer für Sie werden, meine Ausführungen auszuhalten.“ Womit er Recht behalten sollte.

Alle der anwesenden Eltern, Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums hatten einen Mobbingfall irgendwie schon erlebt oder waren gar involviert gewesen. Immer wieder nicken die Zuhörer an diesem Abend mit dem Kopf, schütteln ihn bestürzt oder schauen betreten auf den Boden, als der Referent von Ursachen, Motiven und Handlungsmöglichkeiten sprach. Eines hatte Herr Carstens anfangs schon klargestellt: Können Kinder einem mobbingwilligen Klassenkameraden nicht schon beim ersten oder spätestens beim zweiten Versuch, sie zu ärgern, eine deutliche Grenze aufzeigen und ihn damit in die Schranken weisen, ist der Weg in einen schmerzhaften Kreislauf von Ärgern, Schikanieren und Erniedrigen bereitet.

Doch wo hören Neckereien auf, wann fängt Mobbing an und woran erkennt man als Elternteil oder als Lehrkraft ein gemobbtes Kind? Die Informationen darauf waren erhellend und wertvoll. Lehrkräfte sollten auf Folgendes achten:

  • häufig fehlende Hausaufgaben
  • sozialer und innerer Rückzug
  • wiederholt beschädigte Schulsachen
  • das Suchen des Gesprächs mit der Lehrkraft unmittelbar nach dem Unterricht (bis die Mobber außer Reichweite sind) oder
  • deutliche Anpassungsversuche, das Tragen von Kleidung, die derzeit „in“ ist.

 

Nicht nur die Eltern sollten bei diesen Symptomen aufmerksam werden:

  • Übelkeit vor Schulbeginn mit anschließender Verweigerung, zur Schule zu gehen
  • Isolation von Freunden
  • deutlicher Leistungsabfall
  • Isolierung von den Klassenkameraden
  • Verhaltensänderungen und / oder auffällige Gewichtszu- bzw. abnahme.

Doch welches sind die Motive der Mobber? Ist es das Erleben von Macht, welches sie antreibt, ihr perfides Spiel mit Mitschülerinnen und Mitschülern zu spielen? Ist es etwa Rache, vielleicht der Mangel an echten Freunden, eine Kompensation für schlechte Noten oder gar mehr als einer dieser Aspekte? Auch hierzu konnte der Referent vieles erklären. Warum bestimmte Kinder und Jugendliche gemobbt werden, wusste er allerdings auch nicht zu sagen, eindrücklich erläuterte er allerdings mögliche Profile und einige ungünstige Ausgangssituationen. Manchmal sei Neid im Spiel, manchmal nur der Spaß am Ärgern und manchmal gebe es gar überhaupt keinen Grund. Dass es in jeder Klasse jährlich jedoch ca. einmal einen Mobbingfall gebe, davon müsse man sehr wohl ausgehen. Für die Lehrkräfte der Schule schloss sich am Folgetag eine ganztägige Fortbildung zum Thema an, eine weitere wird im Juni stattfinden.

 

 

 

 

 

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